Stoffwechsel Pferd: Grundlagen und Fütterungsstrategien

Der Stoffwechsel eines Pferdes ist ein komplexes System aus biochemischen Prozessen, die das gesamte Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit des Tieres bestimmen. Ein funktionierender Stoffwechsel ermöglicht es dem Pferdekörper, Nährstoffe aus dem Futter in Energie umzuwandeln, Giftstoffe auszuscheiden und alle Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Störungen im stoffwechsel pferd können weitreichende Folgen haben – von Übergewicht über chronische Erkrankungen bis hin zu Leistungseinbußen. Für Pferdebesitzer ist es daher unerlässlich, die Grundlagen des Stoffwechsels zu verstehen und durch gezielte Fütterung sowie angepasstes Management die metabolische Gesundheit ihres Pferdes zu unterstützen.

Die Grundlagen des Pferdestoffwechsels verstehen

Der stoffwechsel pferd umfasst alle chemischen Reaktionen, die im Körper ablaufen, um lebensnotwendige Funktionen zu ermöglichen. Dabei unterscheidet man zwischen dem katabolen Stoffwechsel, bei dem komplexe Nährstoffe abgebaut werden, und dem anabolen Stoffwechsel, der für den Aufbau von Körpersubstanzen verantwortlich ist.

Zentrale Organe im Stoffwechselgeschehen

Mehrere Organe spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulation des Stoffwechsels:

  • Leber: Die Leber fungiert als zentrale Stoffwechselzentrale und ist für die Entgiftung, Nährstoffverarbeitung und Energiespeicherung verantwortlich
  • Nieren: Sie filtern Abfallstoffe aus dem Blut und regulieren den Wasser- und Elektrolythaushalt
  • Darm: Der Verdauungstrakt ist für die Nährstoffaufnahme und die Produktion von Stoffwechselmetaboliten durch Darmbakterien zuständig
  • Schilddrüse: Sie steuert über Hormone die Stoffwechselgeschwindigkeit

Die Rolle von Leber, Niere und Darm im Stoffwechsel ist wissenschaftlich gut dokumentiert und zeigt, wie eng diese Organsysteme miteinander vernetzt sind.

Zentrale Organe im Pferdestoffwechsel

Energiegewinnung beim Pferd

Pferde sind Pflanzenfresser und gewinnen ihre Energie hauptsächlich aus strukturierten Kohlenhydraten (Rohfaser) und in geringerem Maße aus Stärke und Fetten. Die Fermentation im Dickdarm produziert flüchtige Fettsäuren, die eine wichtige Energiequelle darstellen.

Der Energiebedarf variiert je nach Nutzung, Alter und Gesundheitszustand des Pferdes. Während ein Freizeitpferd moderate Energiemengen benötigt, haben Sportpferde oder laktierende Stuten einen deutlich erhöhten Bedarf.

Faktoren, die den Stoffwechsel beeinflussen

Der stoffwechsel pferd wird von zahlreichen internen und externen Faktoren beeinflusst, die Pferdebesitzer kennen und berücksichtigen sollten.

Fütterung als Schlüsselfaktor

Die Qualität und Zusammensetzung des Futters hat einen direkten Einfluss auf die Stoffwechselfunktion. Wie Fütterung und Haltung den Stoffwechsel beeinflussen wird in der modernen Pferdeernährung intensiv erforscht.

Kritische Fütterungsfehler:

  1. Übermäßige Stärkefütterung, die zu Insulinspitzen führt
  2. Mangel an essentiellen Mikronährstoffen
  3. Unausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis
  4. Zu geringe Raufuttermenge

Bei STRÖH finden Sie ausgewogene Futtermischungen, die speziell auf die metabolischen Bedürfnisse verschiedener Pferdetypen abgestimmt sind.

Bewegung und körperliche Aktivität

Regelmäßige Bewegung aktiviert den Stoffwechsel und fördert die Insulinsensitivität der Zellen. Pferde, die täglich bewegt werden, zeigen eine verbesserte Stoffwechselgesundheit im Vergleich zu Tieren mit Boxenhaltung ohne ausreichend Auslauf.

Aktivitätslevel Empfohlene Bewegung Stoffwechseleffekt
Freizeitpferd 1-2 Stunden täglich Grundumsatz stabil
Sportpferd 2-4 Stunden täglich Erhöhter Energieumsatz
Rentner 30-60 Min. täglich Erhaltung der Mobilität

Genetische Prädisposition

Bestimmte Pferderassen sind anfälliger für Stoffwechselprobleme. Insbesondere leichtfuttrige Rassen wie Ponys, Isländer oder Tinker neigen zu metabolischen Störungen. Diese Tiere benötigen eine besonders sorgfältige Fütterung und Überwachung.

Häufige Stoffwechselerkrankungen beim Pferd

Stoffwechselprobleme beim Pferd manifestieren sich in verschiedenen Krankheitsbildern, die frühzeitig erkannt und behandelt werden sollten.

Equines Metabolisches Syndrom (EMS)

Das equine metabolische Syndrom ist eine der häufigsten Stoffwechselstörungen bei modernen Hauspferden. Es ist gekennzeichnet durch:

  • Insulinresistenz
  • Regionale Fettdepots (Mähnenkamm, Schulter, Kruppe)
  • Erhöhtes Hufreherisiko
  • Chronische Entzündungsprozesse

Pferde mit EMS benötigen eine streng kontrollierte Fütterung mit reduziertem Zucker- und Stärkegehalt. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in unserem Artikel über Stoffwechselerkrankungen beim Pferd.

Cushing-Syndrom (PPID)

Diese hormonelle Störung der Hirnanhangdrüse betrifft vor allem ältere Pferde und beeinträchtigt den gesamten Hormonhaushalt sowie den stoffwechsel pferd. Typische Symptome sind langes, lockiges Fell, erhöhter Durst und Gewichtsverlust trotz guter Fütterung.

Stoffwechselerkrankungen beim Pferd

Lebererkrankungen

Die Leber ist das zentrale Stoffwechselorgan. Leberprobleme können durch Toxine, Übergewicht oder Infektionen entstehen und führen zu massiven Störungen im Gesamtstoffwechsel. Unser Ratgeber zu Leberproblemen beim Pferd bietet detaillierte Informationen zur Früherkennung und Unterstützung.

Optimale Fütterung für einen gesunden Stoffwechsel

Eine metabolisch ausgewogene Fütterung bildet die Grundlage für einen funktionierenden stoffwechsel pferd. Die richtige Nährstoffkombination unterstützt alle Körperfunktionen und beugt Erkrankungen vor.

Grundprinzipien der stoffwechselgerechten Fütterung

Raufutter als Basis: Mindestens 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht täglich sorgen für eine kontinuierliche Verdauungstätigkeit und stabile Blutzuckerspiegel. Bei stoffwechselempfindlichen Pferden sollte das Heu analysiert und gegebenenfalls gewässert werden, um den Zuckergehalt zu reduzieren.

Kraftfutter angepasst: Der Kraftfutterbedarf sollte individuell ermittelt werden. Viele Freizeitpferde benötigen bei ausreichender Heuqualität kein oder nur minimal Kraftfutter. Wenn erforderlich, sollten getreidefreie Alternativen mit niedrigem glykämischen Index bevorzugt werden.

Mineralfutter und Ergänzungen

Ein ausgewogenes Mineralfutter ist essentiell für den stoffwechsel pferd. Besonders wichtig sind:

  • Selen und Vitamin E für den Zellschutz
  • B-Vitamine für den Energiestoffwechsel
  • Zink und Kupfer für Haut und Immunsystem
  • Magnesium für Muskel- und Nervenfunktion

Mineralfutter für Pferde sollten auf Basis einer Rationsberechnung ausgewählt werden, um Über- oder Unterversorgungen zu vermeiden.

Spezielle Ergänzungsfuttermittel

Bei metabolischen Herausforderungen können gezielte Futterzusätze unterstützend wirken:

Supplement Hauptwirkung Einsatzgebiet
Mariendistel Leberschutz Entgiftung
Omega-3-Fettsäuren Entzündungshemmung EMS, Arthritis
Chrom Insulinsensitivität Zuckerstoffwechsel
Kräutermischungen Stoffwechselanregung Allgemeine Unterstützung

Die Unterstützung durch gezielte Fütterung kann den Unterschied zwischen einem gesunden und einem stoffwechselkranken Pferd ausmachen.

Praktische Maßnahmen zur Stoffwechselunterstützung

Neben der optimierten Fütterung tragen weitere Management-Maßnahmen zur Gesunderhaltung des Pferdestoffwechsels bei.

Gewichtsmanagement

Übergewicht ist einer der Hauptrisikofaktoren für Stoffwechselstörungen. Eine kontrollierte Gewichtsreduktion bei adipösen Pferden sollte langsam erfolgen (ca. 0,5-1 % Körpergewicht pro Woche), um eine Hyperlipämie zu vermeiden.

Praktische Schritte:

  1. Regelmäßige Gewichtskontrollen mittels Maßband oder Waage
  2. Anpassung der Futterration an den tatsächlichen Bedarf
  3. Erhöhung der Bewegung bei gleichzeitiger Futterreduktion
  4. Verwendung von Heunetz oder Fressgitter zur Verlängerung der Fresszeit

Stoffwechselkuren und Entgiftung

Zweimal jährlich können Stoffwechselkuren helfen, Leber und Nieren zu unterstützen. Solche Kuren dauern typischerweise 4-6 Wochen und enthalten leberstärkende Kräuter wie Mariendistel, Artischocke oder Löwenzahn.

Die Durchführung sollte in Phasen mit geringerer Belastung erfolgen – idealerweise im Frühjahr und Herbst. Eine professionelle Futterberatung kann dabei helfen, die optimale Zusammenstellung zu finden.

Stressreduktion

Chronischer Stress beeinträchtigt den stoffwechsel pferd erheblich. Cortisol, das Stresshormon, beeinflusst den Zuckerstoffwechsel und kann Insulinresistenz fördern.

Stressreduzierende Maßnahmen:

  • Artgerechte Haltung mit Sozialkontakt
  • Regelmäßige Routinen und Fütterungszeiten
  • Ausreichend Bewegung und Beschäftigung
  • Vermeidung von unnötigen Stallwechseln oder Transportstress
Stoffwechselunterstützung durch Management

Früherkennung von Stoffwechselproblemen

Die rechtzeitige Erkennung von Störungen im stoffwechsel pferd ermöglicht frühzeitiges Eingreifen und verhindert schwerwiegende Folgeerkrankungen.

Warnsignale beachten

Aufmerksame Pferdebesitzer sollten folgende Anzeichen ernst nehmen:

  • Plötzliche Gewichtszunahme oder -abnahme
  • Verändertes Fressverhalten
  • Vermehrtes Trinken und Urinieren
  • Leistungsabfall ohne erkennbare Ursache
  • Angelaufene Beine oder Ödeme
  • Stumpfes Fell oder verzögerter Fellwechsel
  • Wiederkehrende Hufreheschübe

Diagnostische Möglichkeiten

Bei Verdacht auf Stoffwechselprobleme sollten tierärztliche Untersuchungen durchgeführt werden:

Blutuntersuchungen: Leberwerte, Nierenwerte, Glukose, Insulin und Triglyceride geben Aufschluss über den metabolischen Status. Der ACTH-Test und der kombinierte Glukose-Insulin-Test sind spezifische Diagnoseverfahren für Cushing und EMS.

Körperzustandsbewertung: Die regelmäßige Bewertung des Body Condition Score (BCS) auf einer Skala von 1-9 hilft, Gewichtsveränderungen objektiv zu dokumentieren.

Die Rolle von Kräutern und natürlichen Zusätzen

Pflanzliche Unterstützung spielt in der Stoffwechselregulation eine wichtige Rolle. Viele traditionelle Kräuter haben wissenschaftlich belegte Wirkungen auf den stoffwechsel pferd.

Bewährte Stoffwechselkräuter

  • Brennnessel: Harntreibend und blutreinigend, unterstützt die Ausscheidung
  • Löwenzahn: Fördert Leber- und Nierenfunktion
  • Birkenblätter: Entwässernd und entgiftend
  • Schachtelhalm: Reich an Kieselsäure, unterstützt Bindegewebe
  • Bockshornklee: Appetitanregend und stoffwechselaktivierend

Bei STRÖH finden Sie hochwertige Kräutermischungen, die speziell für die Stoffwechselunterstützung zusammengestellt wurden.

Öle und essentielle Fettsäuren

Hochwertige Pflanzenöle liefern essentielle Fettsäuren und fettlösliche Vitamine. Leinöl, Hanföl oder Schwarzkümmelöl können den Stoffwechsel positiv beeinflussen und entzündungshemmend wirken.

Die Dosierung sollte langsam gesteigert werden, beginnend mit 20-30 ml täglich, bis zu maximal 100 ml für ein Großpferd.

Saisonale Anpassungen der Fütterung

Der stoffwechsel pferd unterliegt natürlichen saisonalen Schwankungen, die in der Fütterung berücksichtigt werden sollten.

Frühjahr: Anweidezeit

Der Übergang von Winterfütterung auf frisches Gras ist metabolisch herausfordernd. Das junge Gras enthält hohe Zucker- und Fruktangehalte, die bei empfindlichen Pferden zu Problemen führen können.

Empfehlungen für die Anweidezeit:

  1. Schrittweise Gewöhnung über 2-3 Wochen
  2. Anfangs nur 15-20 Minuten Weidegang
  3. Bei stoffwechselkranken Pferden Maulkorb oder Paddock Paradise erwägen
  4. Morgendliche Weidezeiten bevorzugen (niedrigerer Zuckergehalt)

Herbst und Winter: Erhaltungsfütterung

In der kalten Jahreszeit steigt der Energiebedarf durch Thermoregulation. Gleichzeitig bewegen sich viele Pferde weniger, was das Übergewichtsrisiko erhöht.

Eine sorgfältige Balance zwischen ausreichender Energieversorgung und Gewichtskontrolle ist entscheidend. Mehr Raufutter und weniger energiereiches Kraftfutter ist oft die bessere Strategie.

Moderne Ansätze in der Stoffwechselforschung

Die Wissenschaft entwickelt kontinuierlich neue Erkenntnisse über den stoffwechsel pferd, die in die praktische Fütterung einfließen.

Mikrobiom und Darmgesundheit

Die Darmflora spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechselgeschehen. Eine diverse und stabile Mikrobiota verbessert die Nährstoffverwertung und das Immunsystem. Präbiotika und Probiotika können die Darmgesundheit gezielt unterstützen.

Nutrigenomik

Die Erforschung, wie Nährstoffe die Genexpression beeinflussen, eröffnet neue Möglichkeiten der individualisierten Fütterung. Bestimmte Futtermittelinhaltsstoffe können Gene aktivieren oder hemmen, die den Stoffwechsel regulieren.

Präzisionsfütterung

Moderne Technologien ermöglichen eine immer genauere Anpassung der Fütterung an individuelle Bedürfnisse. Sensoren, Apps und digitale Fütterungssysteme helfen dabei, den Stoffwechselzustand kontinuierlich zu überwachen.


Ein gesunder Stoffwechsel ist die Grundlage für Vitalität, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität Ihres Pferdes. Durch optimierte Fütterung, angepasstes Management und aufmerksame Beobachtung können Sie die metabolische Gesundheit Ihres Vierbeiners langfristig fördern. Bei STRÖH erhalten Sie nicht nur hochwertige Futtermittel und Ergänzungsprodukte, sondern auch kompetente Beratung zur individuellen Stoffwechselunterstützung Ihres Pferdes – mit schneller Lieferung und umweltfreundlichen Verpackungen.

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