Fütterungsfehler beim Pferdefutter: Die 8 häufigsten Fehler

Die Gesundheit eines Pferdes hängt maßgeblich von einer artgerechten und bedarfsorientierten Ernährung ab. Dennoch begehen selbst erfahrene Pferdebesitzer immer wieder Fütterungsfehler, die langfristig schwerwiegende Folgen für die Gesundheit ihrer Tiere haben können. Von falschen Futtermengen über abrupte Futterumstellungen bis hin zu einer unzureichenden Raufutterversorgung – die Bandbreite möglicher Fehler ist groß. In diesem Artikel beleuchten wir die häufigsten Fütterungsfehler und zeigen auf, wie Du diese systematisch vermeiden kannst, um Dein Pferd optimal zu versorgen und seine Leistungsfähigkeit langfristig zu erhalten.

Zu viel Kraftfutter: Ein weitverbreiteter Fehler

Einer der häufigsten Fütterungsfehler besteht darin, zu große Mengen an Kraftfutter zu verfüttern. Viele Pferdebesitzer neigen dazu, den Energiebedarf ihrer Tiere zu überschätzen und füttern entsprechend zu viel Hafer, Gerste oder fertiges Müsli.

Das Verdauungssystem des Pferdes ist evolutionär auf die kontinuierliche Aufnahme von faserreichem Raufutter ausgelegt. Der Magen eines Pferdes ist mit einem Volumen von etwa 15 Litern relativ klein und kann nur begrenzte Mengen auf einmal verarbeiten. Zu große Kraftfutterportionen überfordern den Verdauungstrakt und führen zu einer Verschiebung des pH-Werts im Darm.

Folgen einer Kraftfutter-Überdosierung

Die Faustregel lautet: maximal 0,5 kg Kraftfutter pro 100 kg Körpergewicht pro Mahlzeit. Ein 600 kg schweres Pferd sollte also nie mehr als 3 kg Kraftfutter auf einmal erhalten. Bei mehreren Mahlzeiten pro Tag kann die Gesamtmenge angepasst werden, wobei die Einzelportionen klein bleiben müssen.

Unzureichende Raufutterversorgung

Während viele Pferdebesitzer dem Kraftfutter große Aufmerksamkeit schenken, wird die Bedeutung von qualitativ hochwertigem Raufutter häufig unterschätzt. Fütterungsfehler beim Pferd entstehen oft durch eine zu geringe Heumenge oder minderwertige Qualität des Grundfutters.

Pferde benötigen mindestens 1,5 bis 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht täglich – in der Regel bedeutet das 9 bis 12 kg Heu pro Tag für ein durchschnittliches Warmblutpferd. Diese Menge ist nicht verhandelbar, denn Raufutter erfüllt mehrere essenzielle Funktionen: Es beschäftigt das Pferd, stimuliert die Speichelproduktion, reguliert den pH-Wert im Magen und liefert wichtige Ballaststoffe für die Darmflora.

Probleme bei Raufuttermangel

Problem

Auswirkung

Zeitrahmen

Magengeschwüre

Chronische Schmerzen, Leistungsabfall

Wochen bis Monate

Koliken

Akute Lebensgefahr

Stunden bis Tage

Stereotypien

Koppen, Weben, Boxenlaufen

Wochen bis dauerhaft

Gewichtsverlust

Muskelabbau, Schwäche

Wochen

Verhaltensstörungen

Aggression, Nervosität

Tage bis Wochen

Die Qualität des Heus spielt eine ebenso wichtige Rolle wie die Menge. Schimmeliges, staubiges oder überständiges Heu sollte niemals verfüttert werden, da es die Atemwege belastet und wichtige Nährstoffe fehlen.

Abrupte Futterumstellungen gefährden die Darmflora

Die Darmflora des Pferdes ist ein hochsensibles Ökosystem aus Milliarden von Mikroorganismen. Plötzliche Änderungen in der Futterration zählen zu den gravierendsten Fütterungsfehlern, die Pferdebesitzer begehen können. Die Mikroorganismen im Dickdarm benötigen Zeit, um sich auf neue Futterkomponenten einzustellen.

Wird das Futter zu schnell umgestellt, kann die Darmflora die neuen Bestandteile nicht effizient verwerten. Es kommt zu Fehlgärungen, die Gasbildung, Durchfall oder im schlimmsten Fall zu lebensbedrohlichen Koliken führen können. Besonders problematisch sind abrupte Wechsel von Heu zu Gras im Frühjahr oder die Umstellung auf ein völlig anderes Kraftfutter.

Die richtige Vorgehensweise bei Futterumstellungen

  1. Planungsphase (Tag 1–2): Analysiere den Nährstoffgehalt des neuen Futters

  2. Einführungsphase (Tag 3–5): Mische 25 % des neuen Futters unter das alte

  3. Anpassungsphase (Tag 6–9): Erhöhe den Anteil auf 50 %

  4. Übergangsphase (Tag 10–12): Steigere auf 75 % neues Futter

  5. Komplettumstellung (ab Tag 13): 100 % des neuen Futters füttern

Diese schrittweise Umstellung sollte mindestens zwei Wochen dauern. Bei empfindlichen Pferden oder stark abweichenden Futterkomponenten kann eine Anpassungszeit von bis zu vier Wochen sinnvoll sein. Das richtige Pferdefutter erfordert Geduld und Konsequenz bei der Umstellung.

Mangelnde Wasserversorgung wird oft übersehen

Wasser ist der wichtigste Nährstoff überhaupt, wird jedoch bei der Betrachtung von Pferdefutter Fütterungsfehler häufig vernachlässigt. Ein Pferd benötigt täglich zwischen 20 und 60 Liter Wasser, abhängig von Temperatur, Arbeitsbelastung und Futterart.

Unzureichende Wasseraufnahme führt zu einer Vielzahl von Problemen. Der Kot wird zu trocken und kann im Darm nicht mehr optimal transportiert werden – Verstopfungskoliken sind die Folge. Auch die Nierenfunktion leidet unter Wassermangel, was langfristig zu Nierensteinen oder Niereninsuffizienz führen kann.

  • Stelle sicher, dass Tränken immer sauber und eisfrei sind

  • Kontrolliere täglich die Wasseraufnahme Deines Pferdes

  • Biete vor allem im Winter leicht temperiertes Wasser an

  • Achte nach intensivem Training auf ausreichende Rehydrierung

  • Bei Heufütterung steigt der Wasserbedarf deutlich

Manche Pferde sind wählerisch bei der Wasserqualität. Wenn ein Pferd zu wenig trinkt, kann es helfen, Mash anzubieten oder Äpfel ins Wasser zu geben, um die Aufnahme zu fördern.

Individuelle Bedürfnisse ignorieren

Nicht jedes Pferd hat den gleichen Nährstoffbedarf. Einer der schwerwiegendsten Fütterungsfehler besteht darin, alle Pferde im Stall nach dem gleichen Schema zu füttern, ohne auf individuelle Unterschiede einzugehen.

Der Energiebedarf variiert erheblich je nach Alter, Rasse, Arbeitseinsatz, Stoffwechseltyp und Gesundheitszustand. Ein junges Sportpferd im Training hat völlig andere Anforderungen als ein älteres Freizeitpferd oder ein trächtiges Zuchtstutchen. Die Auswirkungen von Fütterungsfehlern auf den Stoffwechsel können bei jedem Tier unterschiedlich ausfallen.

Faktoren für die individuelle Fütterung

Faktor

Niedriger Bedarf

Hoher Bedarf

Alter

Senior (>20 Jahre)

Junges Pferd (3–7 Jahre)

Arbeit

Freizeitreiten (1–2 ×/Woche)

Turniersport (täglich)

Stoffwechsel

Leichtfuttrige Rassen

Schwerfuttrige Rassen

Zustand

Übergewicht

Untergewicht

Jahreszeit

Winter (Boxenhaltung)

Sommer (Weidegang)

Die Beurteilung des individuellen Bedarfs erfordert regelmäßige Gewichtskontrollen, Body-Condition-Scoring und gegebenenfalls Blutuntersuchungen. Bei über 115 verschiedenen Gesundheitszuständen und Fütterungsherausforderungen kann die Auswahl des richtigen Futters komplex werden. Der Feedscanner ermöglicht es, aus verschiedenen Pferdefuttermitteln und über 200 Marken das optimal passende Futter für die individuellen Bedürfnisse Deines Pferdes zu finden – unter Berücksichtigung von mehr als 1200 möglichen Inhaltsstoffen und Zusätzen.

Mineralfutter und Vitamine: Zu viel oder zu wenig

Die Supplementierung mit Mineralfutter, Vitaminen und Spurenelementen ist ein Bereich, in dem besonders häufig Fütterungsfehler entstehen. Einerseits werden wichtige Mikronährstoffe vernachlässigt, andererseits kommt es zu gefährlichen Überdosierungen durch gut gemeinte, aber unkontrollierte Supplementierung.

Grundfutter wie Heu ist in der Regel nicht ausreichend mineralisiert, um den Bedarf eines Pferdes zu decken. Besonders kritisch sind die Spurenelemente Kupfer, Zink und Selen sowie Vitamin E. Diese Nährstoffe müssen in den meisten Fällen zugefüttert werden.

Gleichzeitig birgt die Überdosierung erhebliche Risiken. Zu viel Selen führt zu Vergiftungserscheinungen mit Hufproblemen und Haarausfall. Eine Überversorgung mit Kalzium kann die Aufnahme anderer wichtiger Mineralstoffe blockieren.

Empfohlene Vorgehensweise

  • Lasse eine Heuanalyse durchführen, um Mängel zu identifizieren

  • Wähle ein Mineralfutter, das genau diese Lücken schließt

  • Beachte die Dosierungsempfehlungen des Herstellers

  • Vermeide Mehrfachsupplementierung mit überlappenden Produkten

  • Überprüfe die Versorgung jährlich durch Blutuntersuchungen

Bei der Auswahl eines Mineralfutters ist die Bioverfügbarkeit der Inhaltsstoffe entscheidend. Organisch gebundene Spurenelemente werden deutlich besser aufgenommen als anorganische Verbindungen.

Fütterungszeiten und Portionsgrößen missachten

Das Fressverhalten von Pferden in freier Wildbahn ist gekennzeichnet durch kontinuierliche Futteraufnahme über 16 bis 18 Stunden täglich. Große Zeitabstände zwischen den Mahlzeiten zählen zu den häufig übersehenen Fütterungsfehlern. Wenn ein Pferd länger als vier Stunden ohne Futter ist, produziert der Magen weiterhin Magensäure – ohne dass Futter diese puffern kann.

Die Folge sind Magengeschwüre, die bei bis zu 90 % aller Sportpferde nachweisbar sind. Auch die Darmtätigkeit leidet unter langen Fresspausen, da die Peristaltik maßgeblich durch die mechanische Stimulation des Futters aufrechterhalten wird.

Ebenso problematisch sind zu große Einzelportionen. Wie bereits erwähnt, fasst der Pferdemagen nur etwa 15 Liter. Große Kraftfuttermengen können nicht vollständig verdaut werden und gelangen unverdaut in den Dünndarm, wo sie zu Fehlgärungen und Koliken führen.

  • Füttere mindestens drei- bis viermal täglich Kraftfutter in kleinen Portionen

  • Stelle rund um die Uhr Heu zur Verfügung oder nutze Heunetze zur Verlängerung der Fresszeit

  • Vermeide Fresspausen von mehr als vier Stunden

  • Füttere die Hauptmahlzeit am späten Abend, um die Nacht zu überbrücken

  • Plane nach intensivem Training eine Wartezeit von mindestens einer Stunde ein

Qualität des Futters vernachlässigen

Die Qualität des Pferdefutters ist mindestens ebenso wichtig wie die Quantität. Schimmeliges Heu, ranziges Kraftfutter oder mit Schadstoffen belastete Futtermittel können schwere Gesundheitsschäden verursachen. Dennoch werden diese Aspekte im Alltag häufig vernachlässigt – ein gravierender Fütterungsfehler mit weitreichenden Konsequenzen.

Schimmelsporen im Heu führen zu chronischen Atemwegserkrankungen wie COB (Chronisch obstruktiver Bronchitis). Die Sporen sind mikroskopisch klein und können auch in Heu vorhanden sein, das oberflächlich einwandfrei aussieht. Ein muffiger Geruch oder Staubentwicklung beim Öffnen eines Heuballen sind deutliche Warnsignale.

Auch Kraftfutter unterliegt Qualitätsschwankungen. Getreide kann mit Mykotoxinen belastet sein, Fette können ranzig werden, und Vitamine bauen sich mit der Zeit ab. Die Lagerung spielt eine entscheidende Rolle: Futter muss trocken, kühl und vor Schädlingen geschützt aufbewahrt werden.

Qualitätskriterien für Pferdefutter

  1. Heu: grünlich-bräunliche Farbe, aromatischer Geruch, keine Staubbildung, frei von Schimmel

  2. Kraftfutter: frisches Verfallsdatum, keine Verklumpungen, angenehmer Geruch, unbeschädigte Verpackung

  3. Silage/Heulage: pH-Wert unter 5, keine weißen Schlieren (Hefepilze), säuerlich-aromatischer Geruch

  4. Mineralfutter: trocken gelagert, keine Feuchtigkeit, homogene Konsistenz

Bei der Beschaffung von Futter sollte die Qualität immer Vorrang vor dem Preis haben. Häufige Fütterungsfehler und deren Auswirkungen zeigen deutlich, dass minderwertige Futterqualität langfristig zu erheblich höheren Kosten durch Tierarztbehandlungen führt.

Saisonale Anpassungen vergessen

Die Bedürfnisse eines Pferdes ändern sich im Jahresverlauf erheblich. Dennoch vergessen viele Pferdebesitzer, die Futterration entsprechend anzupassen – ein typischer Fütterungsfehler mit saisonaler Komponente.

Im Frühjahr, wenn die Pferde auf die Weide kommen, ist besondere Vorsicht geboten. Junges Gras enthält sehr viel Fruktan, einen Zucker, der bei zu schneller Anweidung zu Hufrehe führen kann. Die Umstellung von Heu auf Gras muss schrittweise über mehrere Wochen erfolgen, beginnend mit nur 15 bis 20 Minuten Weidegang pro Tag.

Im Herbst sinkt der Nährstoffgehalt des Grases, während die Pferde beginnen, Winterfell aufzubauen und Fettreserven anzulegen. Die Kraftfutterration sollte entsprechend angepasst werden, um einen guten Ernährungszustand vor dem Winter sicherzustellen.

Der Winter stellt eigene Herausforderungen dar. Bei niedrigen Temperaturen steigt der Energiebedarf durch die Thermoregulation. Gleichzeitig nehmen Pferde bei gefrorenem Wasser oft zu wenig Flüssigkeit auf.

Saisonale Fütterungsanpassungen

  • Frühjahr: Langsame Anweidung, Kraftfutter reduzieren bei Weidegang, Hufrehe-Risiko beachten

  • Sommer: Ausreichend Wasser, eventuell Elektrolyte bei starkem Schwitzen, Insektenschutz

  • Herbst: Energiegehalt anpassen, Winterfell-Bildung unterstützen, Gewichtskontrolle

  • Winter: Energiebedarf erhöhen, temperiertes Wasser anbieten, Heuqualität überprüfen

Die Überwachung des Body-Condition-Score hilft dabei, die Fütterung optimal anzupassen und weder Über- noch Untergewicht entstehen zu lassen.


Die Vermeidung von Fütterungsfehlern erfordert Fachwissen, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, jeden Tag die Bedürfnisse des Pferdes neu zu bewerten. Nur durch konsequente Beachtung aller Aspekte – von der Futterqualität über die richtige Menge bis hin zur individuellen Anpassung – lassen sich die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Pferdes langfristig erhalten. STRÖH E-Commerce GmbH unterstützt Dich mit einem umfassenden Sortiment an hochwertigem Pferdefutter und innovativen Tools bei der optimalen Versorgung Deines Pferdes. Mit versandkostenfreier Lieferung ab 119 Euro und dem Fokus auf Qualität und Nachhaltigkeit findest Du bei STRÖH die richtigen Produkte für eine artgerechte Pferdeernährung.

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