Bodenarbeit mit Deinem Pferd richtig aufbauen und erfolgreich umsetzen

Die Arbeit vom Boden aus ist weit mehr als nur Vorbereitung aufs Reiten. Bodenarbeit mit dem Pferd bildet das Fundament einer soliden Ausbildung und schafft eine Kommunikationsbasis, die auf Vertrauen, Respekt und klarer Körpersprache aufbaut. Egal, ob Du ein junges Pferd ausbildest, ein älteres Tier gymnastizierst oder einfach die Beziehung zu Deinem Pferd vertiefen möchtest – in diesem Guide erfährst Du, welche Methoden es gibt, wie Du strukturiert trainierst und worauf Du achten solltest, um das Beste aus Eurer gemeinsamen Zeit herauszuholen.

Was ist Bodenarbeit? Grundlagen und Bedeutung

Bodenarbeit umfasst alle Trainingsformen, bei denen Mensch und Pferd am Boden miteinander kommunizieren – ohne das zusätzliche Gewicht eines Reiters. Dazu gehören Führtraining, Freiarbeit, Zirzensik, Stangenarbeit, Longieren und Gelassenheitstraining. Ziel ist es, die Beziehung zu stärken, Sicherheit zu gewährleisten und eine klare Verständigung zu schaffen. Führtraining gilt dabei als Basis für alle weiteren Übungen.

Warum Bodenarbeit so wichtig ist:

  • Vertrauen aufbauen ohne den Druck des Reitens

  • Körpersprache verfeinern und nonverbale Kommunikation verbessern

  • Muskulatur gezielt stärken durch kontrollierte Bewegungen

  • junge Pferde behutsam auf spätere Anforderungen unter dem Sattel vorbereiten

  • Abwechslung in den Trainingsalltag bringen

  • als Reha-Begleitung nach Verletzungen einsetzbar (nach tierärztlicher Freigabe)

Pferdehalter, die regelmäßig Bodenarbeit in ihr Training einbauen, berichten häufig von einer ausgeglicheneren, aufmerksameren Grundhaltung ihres Pferdes und einer spürbar verbesserten Verständigung.

Verschiedene Methoden der Bodenarbeit

Die Welt der Bodenarbeit ist vielfältig – von klassischen Techniken bis zu modernen Ansätzen ist für jeden Ausbildungsstand etwas dabei.

Natural Horsemanship und die sieben Spiele

Natural Horsemanship orientiert sich am natürlichen Sozialverhalten von Pferden in der Herde. Die sieben Spiele bilden ein durchdachtes System:

  1. Friendly Game – Vertrauen durch Berührung aufbauen

  2. Porcupine Game – auf Druck weichen lernen

  3. Driving Game – auf Distanz bewegen

  4. Yo-Yo Game – rückwärts und vorwärts schicken

  5. Circling Game – kontrolliertes Kreisen

  6. Sideways Game – seitwärts bewegen

  7. Squeeze Game – durch enge Passagen führen

Longieren und Arbeit an der Longe

Longieren dient der Gymnastizierung, dem Muskelaufbau und der Lösungsarbeit. Wichtig dabei:

  • korrekte Verschnallung der Longe bzw. des Kappzaums

  • gleichmäßige Arbeit auf beiden Händen

  • Tempowechsel und Übergänge

  • Konzentration auf Biegung und Stellung

Mehr zum gezielten Aufbau der Muskulatur durch Training und Fütterung findest Du im Ratgeber Muskelaufbau beim Pferd.

Dualaktivierung und Equikinetic

Moderne Trainingsmethoden arbeiten mit farbigen Gassen, Pylonen und Intervalltraining, um Koordination und Konzentration gezielt zu fördern.

Methode

Schwerpunkt

Besonderheit

Dualaktivierung

Koordination, Konzentration

farbige Gassen

Equikinetic

Muskelaufbau, Geraderichtung

Intervalltraining

Gymnastische Handarbeit

Versammlung, Seitengänge

Hohe Schule vom Boden

Freiheitsdressur und Zirzensik

Die Königsdisziplin der Bodenarbeit ist die Arbeit ganz ohne Hilfsmittel. Freiheitsdressur zeigt die feinste Form der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Zirzensische Lektionen wie das Kompliment, Knien oder der Spanische Schritt fördern Beweglichkeit und geistige Auslastung gleichermaßen – führe neue Lektionen dabei immer schrittweise und mit positiver Verstärkung ein.

Die richtige Ausrüstung für erfolgreiche Bodenarbeit

Für den Einstieg reicht eine übersichtliche Grundausstattung:

  • Halfter (Knotenhalfter für präzise Einwirkung im Führtraining, Kappzaum für feines Longieren)

  • Führstrick bzw. Bodenarbeitsseil (ca. 3–4 Meter)

  • Longe (8–10 Meter) aus hochwertigem Material

  • Gerte, Touchiergerte oder Longierpeitsche als Verlängerung des Arms

  • Handschuhe für mehr Sicherheit

  • Stangen, Pylonen oder Cavaletti für abwechslungsreiche Übungen

Zusätzliches Zubehör für Fortgeschrittene: Clicker oder Target-Stick für positive Verstärkung, Dualgassen und Softborder für Koordinationsparcours, Trainingsmatten und Bodenpads.

Auswahl und Pflege der Ausrüstung

Achte auf gute Passform, hochwertige Materialien (Leder, Biothane oder robustes Nylon) und saubere Verarbeitung. Prüfe Halfter, Seile und Karabiner nach jedem Einsatz auf Abnutzung – lose Nähte oder spröde Seile sind ein Sicherheitsrisiko und sollten ausgetauscht werden, bevor sie reißen. Gewöhne Dein Pferd außerdem langsam an neue Ausrüstung, um unnötigen Stress zu vermeiden.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Bodenarbeit in der Praxis

1. Vorbereitung und Vertrauensaufbau

Wähle einen sicheren, ablenkungsarmen Platz, etwa einen Roundpen oder einen abgegrenzten Paddock. Begrüße Dein Pferd ruhig, nimm Blickkontakt auf und starte mit einfachen Übungen wie Anhalten oder Rückwärtsrichten. Deine eigene innere Ruhe überträgt sich direkt auf das Pferd.

2. Führtraining als Basis

Ziel ist, dass Dein Pferd auf Höhe Deiner Schulter geht, anhält, wenn Du anhältst, rückwärtsgeht auf Signal und nicht in Deinen Raum drängt. Übe das Führen auf beiden Seiten, wechsle Positionen und Tempo. Schaue dabei in die Richtung, in die Ihr gehen sollt – nicht zum Pferd. Typische Herausforderungen wie Rempeln oder Ziehen lassen sich durch konsequentes, ruhiges Handeln lösen.

3. Freiarbeit und Kommunikation ohne Seil

In der Freiarbeit entfällt das Seil – die Verständigung läuft rein über Körpersprache. Beginne in einem sicheren, umzäunten Bereich und belohne kleine Erfolge sofort, um Vertrauen und Motivation zu fördern.

4. Zirzensik und gymnastizierende Lektionen

Führe neue Lektionen schrittweise ein und arbeite mit klaren Hilfen und positiver Verstärkung. Sicherheit steht besonders bei anspruchsvolleren Lektionen wie dem Steigen an erster Stelle.

5. Stangenarbeit und Koordinationstraining

Lege 4–6 Stangen im Abstand von ca. 80 cm aus und führe Dein Pferd zunächst im Schritt darüber. Für die Arbeit im Trab kannst Du die Abstände vergrößern. Variiere die Aufbauten – etwa als L-Form oder Fächer –, um Balance, Koordination und Aufmerksamkeit zu fördern.

6. Longieren und gezieltes Muskeltraining

Nutze einen gut sitzenden Kappzaum, eine passende Longe und die richtige Longierpeitsche. Achte auf Stellung, Biegung und Losgelassenheit, damit das Training effektiv und gesund bleibt. Eine zu kurze Longe oder ungeeignete Ausrüstung zählen zu den häufigsten Fehlerquellen.

7. Gelassenheitstraining und Desensibilisierung

Baue einen kleinen Parcours mit Planen, Bällen oder flatternden Folien auf und führe Dein Pferd schrittweise an ungewohnte Reize heran. Beginne mit bekannten, wenig bedrohlichen Objekten und steigere den Schwierigkeitsgrad langsam. Belohne jedes ruhige Verhalten sofort und baue rechtzeitig Pausen ein.

8. Fortschritt beobachten und Training anpassen

Dokumentiere Erfolge und Herausforderungen, nutze bei Bedarf Videoanalysen und hole Dir Feedback von erfahrenen Trainern. Eine regelmäßige Reflexion sorgt dafür, dass die Bodenarbeit langfristig Freude bereitet.

Bodenarbeit nach Alter und Ausbildungsstand

Jungpferde: Führen und Anbinden, Hufe geben, Grundgehorsam, erste Longenarbeit und Gelassenheit im Umgang stehen im Vordergrund. Wichtig: kurze Einheiten mit vielen Pausen, da die Konzentrationsfähigkeit junger Pferde begrenzt ist.

Erwachsene Pferde: profitieren von abwechslungsreicher Bodenarbeit als Ergänzung zum Reittraining – zur Gymnastizierung, zum gezielten Muskelaufbau, zur mentalen Auslastung oder als Reha-Training nach Verletzungen (in Absprache mit dem Tierarzt).

Ältere Pferde: Bodenarbeit lässt sich gelenkschonend gestalten, erhält die Muskulatur und sorgt für mentale Fitness. Passe Umfang und Intensität an das individuelle Befinden des Pferdes an.

Bodenarbeit in den Trainingsplan integrieren

Bodenarbeit sollte fester Bestandteil des wöchentlichen Programms sein – nicht nur eine Notlösung bei schlechtem Wetter.

Wochentag

Trainingsinhalt

Dauer

Montag

Longieren & Gymnastik

30 Min

Dienstag

Ausritt

60 Min

Mittwoch

Bodenarbeit (Dualaktivierung)

25 Min

Donnerstag

Dressurtraining

45 Min

Freitag

Gelassenheitstraining

20 Min

Samstag

Ausritt/Springgymnastik

60 Min

Sonntag

Pausentag/Koppel

Saisonale Anpassung: Im Sommer eignen sich frühe Morgenstunden für intensiveres Training – achte auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr. Im Winter ist Bodenarbeit ideal für kurze, intensive Einheiten in der Halle, etwa wenn die Bahn vereist oder das Ausreiten eingeschränkt ist.

Kombinierbar mit anderen Trainingsformen: als Aufwärmphase vor dem Reiten, als Cool-down danach, an trainingsfreien Tagen zur aktiven Erholung oder – nach tierärztlicher Abklärung – als Baustein im Reha-Training.

Mentale Aspekte: Timing, Belohnung und Stresszeichen erkennen

Die psychologische Komponente der Bodenarbeit ist mindestens genauso wichtig wie die körperliche Gymnastizierung. Pferde lernen durch unmittelbare Konsequenzen:

  • belohne innerhalb von 1–2 Sekunden nach dem gewünschten Verhalten

  • nutze Stimme, Pausen und gezielt auch Leckerlis

  • beende Übungen möglichst auf einem positiven Höhepunkt

  • wiederhole Bekanntes zur Bestätigung

Stress- und Überforderungssignale erkennen: Ohren anlegen, Schweifschlagen, Kauen, Gähnen, Ausweichen oder Wegdrängen sind typische Warnzeichen. Reagiere darauf mit einer Pause, reduzierter Anforderung oder einer Rückkehr zu bekannten Übungen – nicht mit mehr Druck.

Fortgeschrittene Techniken

Wer die Grundlagen sicher beherrscht, kann die Bodenarbeit gezielt vertiefen:

  • Seitengänge vom Boden: Schulterherein, Travers und Renvers lassen sich hervorragend vom Boden aus erarbeiten und bereiten optimal auf die Arbeit unter dem Sattel vor. Beginne mit Schulterherein an der Bande und löse Dich schrittweise davon.

  • Arbeit mit dem Kappzaum: ermöglicht feine Einwirkung ohne Druck aufs Pferdemaul – ideal für Longenarbeit in Stellung und Biegung sowie für Handarbeit in höherer Versammlung.

  • Freiarbeit ohne Hilfsmittel: die anspruchsvollste Form der Bodenarbeit, die feinstes Timing, klare Körpersprache und viel gemeinsame Übung voraussetzt.

Häufige Fehler und wie Du sie vermeidest

Problem

Folge

Lösung

Zu lange Einheiten

Konzentrationsverlust

max. 20–30 Minuten

Zu hohe Anforderungen auf einmal

Frustration

kleinschrittig aufbauen

Keine Pausen

Stress

regelmäßige Entspannungsphasen einbauen

Fehlende Wiederholung

Unsicherheit

Bekanntes regelmäßig festigen

Widersprüchliche Körpersprache

Missverständnisse

klare, konsistente Signale nutzen

Mangelnde Konsequenz

Verwirrung beim Pferd

Regeln verlässlich beibehalten

Weitere typische Stolpersteine: unsachgemäßer Aufbau bei der Stangenarbeit (Verletzungsrisiko), eine zu kurze Longe oder fehlende Stellung/Biegung beim Longieren sowie eine zu schnelle Steigerung bei zirzensischen Lektionen.

Fütterung als Begleiter der Bodenarbeit

Bodenarbeit fordert den Körper Deines Pferdes auf andere Weise als reines Reittraining – die Fütterung sollte entsprechend mitgedacht werden. Für den Muskelaufbau sind unter anderem hochwertiges Protein mit essenziellen Aminosäuren, ausreichend Energie sowie Mineralstoffe wie Magnesium und Calcium relevant.

Bei über 2.800 verschiedenen Pferdefuttern und mehr als 200 Marken kann die Futterauswahl schnell unübersichtlich werden. Der STRÖH Feedscanner hilft Dir dabei, unter Berücksichtigung von Trainingsintensität und individuellen Bedürfnissen das passende Futter für Dein Pferd zu finden.

Bei besonderen Trainingssituationen – etwa intensiverem Training, im höheren Alter oder bei bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen – lohnt sich zusätzlich ein Gespräch mit dem Tierarzt, um Trainingsumfang und Fütterung gemeinsam abzustimmen.

Häufige Fragen zur Bodenarbeit

Was ist Bodenarbeit beim Pferd genau? Bodenarbeit ist das Training mit dem Pferd vom Boden aus, ohne Reiter. Sie stärkt Vertrauen, Kommunikation und Aufmerksamkeit und bildet die Basis für jede weitere Ausbildung.

Ab wann kann ich mit Bodenarbeit beginnen? Bereits mit Fohlen – allerdings altersgerecht: Je jünger das Pferd, desto kürzer und sanfter sollten die Einheiten sein.

Wie oft pro Woche ist Bodenarbeit sinnvoll? 2–3 kurze Einheiten pro Woche reichen in der Regel für sichtbare Fortschritte, ohne das Pferd zu überfordern.

Was eignet sich für Einsteiger? Führtraining und Gelassenheitsübungen – einfach umzusetzen und eine gute Basis für alle weiteren Lektionen.

Brauche ich für Bodenarbeit einen Trainer? Nicht zwingend, aber besonders am Anfang hilfreich: Ein erfahrener Trainer erkennt unklare Körpersprache oder Trainingsfehler frühzeitig und kann gegensteuern.

Kann ich Bodenarbeit auch bei schlechtem Wetter machen? Ja – Bodenarbeit lässt sich gut in die Halle oder auf einen überdachten Platz verlegen und eignet sich gerade an Tagen, an denen Ausreiten nicht möglich ist.

Bodenarbeit mit dem Pferd ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer ganzheitlichen Ausbildung: Sie schafft Vertrauen, verfeinert die Kommunikation und fördert Pferd und Mensch körperlich wie mental. Ob Du gerade erst anfängst oder schon fortgeschrittene Lektionen erarbeitest – die richtige Ausrüstung und passende Fütterung machen den Unterschied. Bei STRÖH E-Commerce GmbH findest Du hochwertiges Zubehör für die Bodenarbeit, durchdachtes Pferdefutter und fachkundige Beratung – inklusive versandkostenfreier Lieferung ab 119 Euro.

Alle Bilder wurden mit KI erstellt und dienen nur der Veranschaulichung.

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