Die Sehnen beim Pferd: Anatomie, Verletzungen und Prävention

Die Gesundheit der Sehnen beim Pferd ist entscheidend für die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden unserer vierbeinigen Partner. Als komplexe Bindegewebsstrukturen verbinden Sehnen die Muskulatur mit dem Skelettsystem und ermöglichen die kraftvolle Bewegung, die Pferde auszeichnet. Besonders im Bereich der Gliedmaßen sind die Sehnen enormen Belastungen ausgesetzt, die bei intensivem Training, ungeeigneten Bodenverhältnissen oder mangelnder Kondition zu Schäden führen können. Ein fundiertes Verständnis der Sehnenfunktion, typischer Verletzungsmuster und präventiver Maßnahmen ist für jeden verantwortungsvollen Pferdebesitzer unerlässlich.

Anatomie und Funktion der Pferdesehnen

Die Sehnenstrukturen beim Pferd sind hochspezialisierte Gewebe, die aus straffem, parallel angeordnetem Kollagen bestehen. Im Vordergliedmaßenbereich spielen besonders die oberflächliche Beugesehne und die tiefe Beugesehne eine zentrale Rolle.

Aufbau der wichtigsten Sehnenstrukturen

Die oberflächliche Beugesehne verläuft von der Rückseite des Unterarms bis zum Fesselbein und ist maßgeblich für die Beugung des Fesselgelenks verantwortlich. Sie trägt einen erheblichen Teil des Körpergewichts und wirkt wie eine biologische Feder, die Energie speichert und wieder freigibt.

Zentrale Sehnenstrukturen umfassen:

  • Oberflächliche Beugesehne (Musculus flexor digitalis superficialis)

  • Tiefe Beugesehne (Musculus flexor digitalis profundus)

  • Fesselträger (Ligamentum suspensorium)

  • Strecksehnen auf der Vorderseite der Gliedmaßen

  • Unterstützende Bandstrukturen und Sehnenscheiden

Die tiefe Beugesehne verläuft weiter nach unten bis zum Hufbein und ermöglicht die feine Kontrolle der Hufstellung. Der Fesselträger ist streng genommen ein Band, funktioniert jedoch wie eine Sehne und stabilisiert das Fesselgelenk gegen Überdehnung.

Sehnenstruktur

Hauptfunktion

Verletzungsanfälligkeit

Heilungsdauer

Oberflächliche Beugesehne

Energiespeicherung, Fesselbeugung

Sehr hoch

12–18 Monate

Tiefe Beugesehne

Hufkontrolle, Feinmotorik

Mittel bis hoch

10–16 Monate

Fesselträger

Stabilisierung Fesselgelenk

Mittel

8–14 Monate

Strecksehnen

Streckung der Gliedmaßen

Niedrig

6–12 Monate

Biomechanische Besonderheiten

Die Sehnen des Pferdes müssen extreme Kräfte bewältigen. Bei einem 500 Kilogramm schweren Warmblutpferd im Galopp wirken auf die oberflächliche Beugesehne Kräfte von bis zu 4000 Newton. Diese enorme Belastung erklärt, warum Sehnenschäden beim Pferd zu den häufigsten Verletzungen im Hochleistungssport zählen.

Das Sehnengewebe besteht überwiegend aus Typ-I-Kollagen, das in parallelen Faserbündeln angeordnet ist. Diese Struktur verleiht maximale Zugfestigkeit bei minimalem Gewicht. Zwischen den Kollagenfibrillen befinden sich Fibroblasten, die für die Produktion und Erhaltung der extrazellulären Matrix verantwortlich sind.

Häufige Sehnenverletzungen und deren Ursachen

Sehnenschäden entstehen durch Überlastung, unzureichende Konditionierung oder traumatische Ereignisse. Die Kenntnis der Risikofaktoren ermöglicht gezielte Präventionsstrategien.

Klassifikation von Sehnenschäden

Veterinärmediziner unterscheiden Sehnenverletzungen nach Schweregrad und betroffenem Bereich. Eine Tendinitis bezeichnet die akute Entzündung des Sehnengewebes, während eine Tendose degenerative Veränderungen beschreibt.

Hauptursachen für Sehnenverletzungen:

  1. Unzureichende Aufwärmphase vor intensiver Belastung

  2. Ermüdung der Muskulatur bei langen Trainingseinheiten

  3. Ungünstige Bodenbeschaffenheit (zu hart, zu tief, uneben)

  4. Mangelhafte Hufbearbeitung und daraus resultierende Fehlbelastungen

  5. Genetische Disposition und Konformationsfehler

  6. Altersbedingte Degeneration des Sehnengewebes

Die meisten Sehnenverletzungen treten in der mittleren Zone der oberflächlichen Beugesehne auf, etwa 10 bis 15 Zentimeter über dem Fesselgelenk. In diesem Bereich ist die Durchblutung am geringsten, was die Heilung zusätzlich erschwert.

Symptome und Diagnostik

Die Symptome einer Sehnenverletzung variieren je nach Schweregrad. Akute Verletzungen zeigen sich durch deutliche Schwellung, Wärme und Lahmheit. Chronische Schäden können zunächst subtiler verlaufen.

Grad

Symptome

Ultraschallbefund

Prognose

I

Leichte Schwellung, kaum Lahmheit

Kleine echoarme Bereiche

Sehr gut

II

Deutliche Schwellung, mittelgradige Lahmheit

Größere Läsionen, Faserstruktur teilweise erhalten

Gut

III

Starke Schwellung, hochgradige Lahmheit

Großflächige Strukturauflösung

Vorsichtig

IV

Massive Schwellung, Sehnenvorfall

Komplette Kontinuitätsunterbrechung

Ungünstig

Die moderne Diagnostik nutzt Ultraschalluntersuchungen zur präzisen Beurteilung des Schadensausmaßes. Dabei werden die Sehnen des Pferdes systematisch gescannt und Veränderungen in der Echostruktur dokumentiert. Ergänzend können MRT-Untersuchungen bei unklaren Befunden oder zur Verlaufskontrolle eingesetzt werden.

Therapeutische Ansätze und Heilungsprozess

Die Behandlung von Sehnenschäden erfordert Geduld und ein mehrstufiges Therapiekonzept. Der natürliche Heilungsprozess der Sehnen bei Pferden durchläuft drei Phasen: Entzündung, Reparatur und Remodellierung.

Akutversorgung und konservative Therapie

In der akuten Phase steht die Minimierung weiterer Schäden im Vordergrund. Sofortige Kühlung reduziert die Entzündungsreaktion und Schwellung. Boxenruhe entlastet die verletzte Struktur und verhindert Verschlimmerung.

Bewährte Behandlungsansätze umfassen:

  • Kryotherapie (Kälteanwendung) in den ersten 48–72 Stunden

  • Druckverbände zur Schwellungskontrolle

  • Entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs) nach tierärztlicher Verordnung

  • Kontrolliertes Bewegungsprogramm nach Abheilung der Akutphase

  • Physikalische Therapie mit Magnetfeld, Laser oder Ultraschall

  • Regenerative Therapien wie PRP (plättchenreiches Plasma) oder Stammzellen

Die Reparaturphase beginnt nach etwa einer Woche und dauert mehrere Monate. Neue Kollagenfasern werden gebildet, die jedoch zunächst unorganisiert angeordnet sind. Kontrollierte Bewegung ist essenziell, um die Faserausrichtung in Zugrichtung zu fördern.

Fütterungsstrategien zur Sehnenunterstützung

Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Regeneration des Sehnengewebes. Spezifische Nährstoffe unterstützen die Kollagensynthese und entzündungshemmende Prozesse. Ergänzungsfuttermittel zur Unterstützung von Gelenken und Sehnen können gezielt eingesetzt werden.

Besonders wichtig sind:

  • Aminosäuren wie Lysin, Prolin und Glycin als Kollagenbausteine

  • Vitamin C zur Förderung der Kollagensynthese

  • Mangan und Kupfer als Cofaktoren für enzymatische Prozesse

  • Omega-3-Fettsäuren zur Modulation von Entzündungsreaktionen

  • Schwefelverbindungen wie MSM (Methylsulfonylmethan)

  • Hyaluronsäure zur Unterstützung der Gewebshydratation

Die richtige Futterzusammensetzung kann die Heilung optimieren und zukünftigen Schäden vorbeugen. Hochwertige Mineralfuttermittel und spezialisierte Ergänzungen sollten auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt werden.

Präventionsmaßnahmen für gesunde Sehnen

Vorbeugung ist der Schlüssel zur langfristigen Sehnengesundheit. Ein ganzheitlicher Ansatz berücksichtigt Training, Haltung, Ernährung und regelmäßige Kontrollen.

Optimales Trainingsmanagement

Ein strukturiertes Aufbauprogramm ist fundamental für die Konditionierung der Sehnen des Pferdes. Abrupte Belastungssteigerungen überfordern das Gewebe und führen zu Mikrotraumen, die sich akkumulieren können.

  1. Aufwärmen: Mindestens 15 Minuten Schritt vor intensiver Arbeit

  2. Progressive Belastung: Steigerung der Trainingsintensität um maximal 10 % pro Woche

  3. Intervalltraining: Wechsel zwischen Belastungs- und Erholungsphasen

  4. Bodenauswahl: Bevorzugung federnder, ebener Böden

  5. Abwärmen: Aktive Erholung im Schritt nach der Arbeit

  6. Regeneration: Ausreichende Ruhepausen zwischen intensiven Einheiten

  7. Saisonale Anpassung: Reduzierung bei extremen Temperaturen

Haltungs- und Pflegeaspekte

Die tägliche Haltung beeinflusst die Sehnengesundheit erheblich. Bewegungsmangel führt zu Konditionsverlust und erhöht das Verletzungsrisiko. Verhaltensauffälligkeiten können langfristig Sehnen und Gelenke belasten.

Optimale Haltungsbedingungen:

  • Täglicher freier Auslauf zur Förderung der Grundkondition

  • Artgerechte Sozialkontakte zur psychischen Ausgeglichenheit

  • Hochwertige Einstreu zur Gelenkschonung im Ruheverhalten

  • Regelmäßige Hufpflege alle 6–8 Wochen

  • Vermeidung von Übergewicht durch bedarfsgerechte Fütterung

Die Qualität der Einstreu spielt eine unterschätzte Rolle. Weiche, staubarme Materialien fördern längere Liegezeiten und damit die muskuläre Regeneration. Die bei STRÖH E-Commerce erhältlichen Einstreuprodukte bieten verschiedene Optionen für unterschiedliche Anforderungen.

Regelmäßige Kontrolle und Früherkennung

Systematische Palpation der Sehnen sollte zur Routine werden. Durch regelmäßiges Abtasten werden Veränderungen frühzeitig erkannt, bevor klinische Symptome auftreten.

Kontrollbereich

Methode

Häufigkeit

Auffälligkeiten

Sehnenkontur

Palpation

Täglich

Verdickungen, Unebenheiten

Wärmeentwicklung

Handauflegen

Täglich

Einseitige Wärme, Pulsation

Druckempfindlichkeit

Sanfter Druck

Wöchentlich

Schmerzreaktion, Ausweichen

Schwellungen

Visuelle Kontrolle

Täglich

Füllungen, Ödeme

Professionelle Ultraschalluntersuchungen im Rahmen der Ankaufsuntersuchung oder bei Hochleistungspferden in regelmäßigen Abständen können subklinische Veränderungen aufdecken. Dies ermöglicht rechtzeitige Trainingsanpassungen.

Rehabilitation nach Sehnenschäden

Die Rückkehr zum vollen Training nach einer Sehnenverletzung erfordert einen strukturierten Rehabilitationsplan. Überstürztes Vorgehen führt häufig zu Rezidiven mit schlechterer Prognose.

Phasengerechtes Rehabilitationsprogramm

Die Rehabilitation erstreckt sich typischerweise über 12 bis 18 Monate. Jede Phase baut auf der vorherigen auf und erhöht graduell die mechanische Belastung der heilenden Sehnen.

Phase 1 (Monate 1–3): Absolute Ruhe und kontrollierte Handbewegung

  • Boxenruhe mit täglichem Handführen im Schritt (10–15 Minuten)

  • Keinen Weidegang oder freie Bewegung

  • Fortlaufende tierärztliche Kontrollen alle 4 Wochen

  • Unterstützende Maßnahmen wie Magnetfelddecken

Phase 2 (Monate 4–6): Geführte Bewegung und Paddock

  • Schrittführung steigern auf 30–45 Minuten täglich

  • Zugang zu kleinem Paddock (individuelle Entscheidung)

  • Erste Ultraschallkontrolle zur Beurteilung der Faserausrichtung

  • Integration von geraden Linien und Bodenarbeit

Phase 3 (Monate 7–9): Einführung von Trab

  • Geführtes Traben auf gerader Linie, initial 2–3 Minuten

  • Graduelle Steigerung der Trabphasen

  • Nutzung von Round-Pen-Training bei geeigneter Bodenqualität

  • Regelmäßige Palpationskontrollen

Phase 4 (Monate 10–12): Progressives Reittraining

  • Beginn mit leichtem Reiten im Schritt und kurzen Trabphasen

  • Bevorzugung von geraden Linien, Vermeidung enger Wendungen

  • Langsame Integration von Geländearbeit

  • Ultraschallkontrolle vor Intensivierung

Phase 5 (Monate 13–18): Rückkehr zum normalen Training

  • Gradueller Aufbau der ursprünglichen Disziplin

  • Einführung von Galopparbeit und spezifischem Training

  • Engmaschige Überwachung auf Rückfallsymptome

  • Abschließende tierärztliche Freigabe

Die erfolgreiche Rehabilitation erfordert Disziplin und Geduld. Voreilige Belastungssteigerungen gefährden den gesamten Heilungserfolg.

Spezielle Ernährungsaspekte für die Sehnenregeneration

Neben dem mechanischen Reiz durch kontrollierte Bewegung spielt die Nährstoffversorgung eine zentrale Rolle. Die Kollagensynthese ist ein nährstoffintensiver Prozess, der spezifische Aminosäuren und Cofaktoren benötigt.

Makronährstoffe und Proteinqualität

Hochwertiges Protein liefert die essenziellen Aminosäuren für die Geweberegeneration. Besonders die Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyprolin sind Hauptbestandteile des Kollagens. Qualitativ hochwertige Ergänzungsfuttermittel können die Versorgung optimieren.

Die tägliche Proteinzufuhr sollte bei Pferden in der Rehabilitation etwa 10–12 % der Trockensubstanz betragen. Qualität geht vor Quantität, da überschüssiges Protein metabolisch belastet, ohne therapeutischen Nutzen.

Mikronährstoffe und Spurenelemente

Spezifische Mikronährstoffe agieren als Katalysatoren in der Kollagenbiosynthese:

  • Vitamin C: Cofaktor für die Hydroxylierung von Prolin zu Hydroxyprolin

  • Kupfer: Essenziell für die Lysyloxidase, die Kollagenvernetzung katalysiert

  • Zink: Unterstützt Wundheilung und Proteinsynthese

  • Mangan: Cofaktor für Glykosyltransferasen in der Matrixsynthese

  • Selen: Antioxidative Wirkung zum Schutz vor oxidativem Stress

Die Fütterungsberatung sollte individuell auf das Pferd abgestimmt werden. Pauschale Empfehlungen berücksichtigen nicht die spezifischen Bedürfnisse einzelner Tiere. Eine professionelle Futterberatung kann hier wertvolle Unterstützung bieten.

Langzeitmanagement bei chronischen Sehnenproblemen

Pferde mit vorgeschädigten Sehnen benötigen lebenslange Aufmerksamkeit. Während viele Tiere wieder Sport treiben können, bleibt das Rezidivrisiko erhöht.

Anpassung der sportlichen Nutzung

Realistische Erwartungen sind fundamental. Ein Pferd mit schwerer Sehnenverletzung wird selten wieder das vorherige Leistungsniveau erreichen. Viele können jedoch in angepassten Disziplinen erfolgreich arbeiten.

Geeignete Aktivitäten nach Sehnenschaden:

  • Freizeitreiten mit moderater Intensität

  • Dressurarbeit ohne extreme Versammlung

  • Leichte Trail- oder Wanderritte

  • Bodenarbeit und Gymnastizierung

  • Therapeutisches Reiten (bei stabiler Heilung)

Weniger geeignete Disziplinen:

  • Hochleistungsspringen mit wiederholten Landestößen

  • Intensives Galopprenntraining

  • Westernreining mit abrupten Stopps

  • Langstreckenrennen ohne ausreichende Pausen

Präventive Maßnahmen im Alltag

Das tägliche Management muss angepasst werden, um die Sehnen des Pferdes langfristig zu schützen. Dazu gehören regelmäßige physiotherapeutische Maßnahmen und ein konstantes Monitoring.

Bewährte Routinen umfassen tägliches Kühlen nach der Arbeit, regelmäßige Massage zur Förderung der Durchblutung und den Einsatz von Stützbandagen während des Transports. Prophylaktische Bandagen während der Arbeit sind kontrovers, da sie einerseits stützen, andererseits die Eigenwahrnehmung beeinträchtigen können.


Die Gesunderhaltung der Sehnen beim Pferd erfordert umfassendes Wissen, konsequentes Management und hochwertige Versorgung. Von der anatomischen Kenntnis über präventive Strategien bis zur fachgerechten Rehabilitation spielen zahlreiche Faktoren zusammen. Bei STRÖH E-Commerce GmbH finden Pferdebesitzer nicht nur erstklassiges Pferdefutter und durchdachte Ergänzungsprodukte für die Sehnengesundheit, sondern auch fachkundige Beratung für individuelle Bedürfnisse. Mit versandkostenfreier Lieferung ab 119 Euro und dem innovativen Feedscanner unterstützt STRÖH Dich dabei, die optimale Ernährung für Dein Pferd zusammenzustellen und damit einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Gesundheit der Sehnenstrukturen zu leisten.

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